Wahlfreiheit und persönlicher Wachstum

Autonomie ist die dritte unserer psychologischen Grundbedürfnisse. Deci und Ryan haben in über 30 Jahren viele Ministudien erstellt, die dann in ihr Konzept der Selbstbestimmungstheorie geflossen sind. Ihr Credo: Der Mensch ist auf Selbstaktualisierung programmiert. Er möchte jeden Tag wachsen. Und wir sind bis im hohen Alter dazu in der Lage. Das Gehirn stumpft sogar ab und bildet sich zurück, wenn wir ihm keine neue Impulse geben.

Die Erfüllung unserer drei psychologischen Grundbedürfnisse „Beziehungen, Kompetenz und Autonomie“ sind beste Nahrung für Wachstum. Die ersten beiden Grundbedürfnisse habe ich in den letzten beiden Artikel kurz erläutert. Heute gebe ich Impulse zum Thema Autonomie.

Wahlfreiheit verleiht unserem Wachstum Flügel. Wenn ich mich freiwillig für etwas entscheiden kann, dann entscheide ich mich dafür mit ganzem Herzen. Ich mache es nicht einfach, da irgendeiner das von mir erwartet. Ich mache es, weil ich es will. Aus mir heraus und nicht damit ich in einem guten Licht stehe und Anerkennung erhalte.

Nehmen wir das Thema Videospiele. Warum haben Videospiele eine solche große Anziehungskraft? Deci und Ryan haben sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Da Videospiele alle psychologischen Grundbedürfnisse befriedigen. Die Spieleentwickler wissen, wie Motivation funktioniert. Befolgen sie diese „Motivationsgesetze“ nicht, dann verlassen die Menschen das Spiel.

Alleine, dass sie den Spielern die Möglichkeit geben, einen Avatar auszuwählen, gibt dem Spieler das Gefühl, dass er selbst wählen kann. Das wohl berühmteste Spiel „World of Warcraft“ bietet dem Spieler viele Auswahlmöglichkeiten. Der Spieler kann wählen, in welche Aktivitäten er involviert sein will, an welchen Missionen er teilhaben möchte, welche Aufgaben er erledigen möchte und mit welchen Partnern er sich zusammentun möchte. Und hier nenne ich nur die Wahlmöglichkeiten in Bezug auf Autonomie und Beziehung.

Die Frage ist also, wieso lieben es Menschen, sich in diesen Videospielen zu verlieren. Ich habe nichts gegen Videospiele. Ich fand es nur spannend, dass Studien gezeigt haben, dass dieser „Overuse“ eine Kompensation ist. Es hat sich herausgestellt,  dass die Spieler dort die Möglichkeit hatten, ihre psychologischen Grundbedürfnisse zu erfüllen. Wir reden hier von Menschen, die zu ihrem Job pro Woche weitere 40-50 h in das Spielen investieren. Menschen, die im Interview antworten, dass sie dort die Befriedigung erleben, die sie auf der Arbeit nicht erleben. Sie spielen mit anderen zusammen, sie haben immer wieder neue Herausforderungen und sie dürfen wählen. Und genau das Erleben sie in ihrem Job nicht.

Das ist doch ein Ansporn genug, darüber nachzudenken, wie wir mehr Wahlfreiheit in die Büros bekommen? Gehen Sie gedanklich einfach mal durch die letzte Woche? Wie oft haben Sie autonomische Handlungsweisen erlebt? Wie oft haben Sie anderen Wahlmöglichkeiten gelassen? Was hätten Sie sich gewünscht? Wieviel Zeit hat sich Ihr Vorgesetzter für Sie genommen oder wieviel Zeit haben Sie sich für Ihre Mitarbeiter genommen?

Mitarbeiter brauchen Chefs und ein Umfeld, die ihre Autonomie fördern und die Motivation der Mitarbeiter steht in direkter Verbindung mit der Tagesform des Chefs und des Umfelds. Und die gute Nachricht, es ist trainierbar. Ich bin sogar der Überzeugung, sobald ein Mensch entschieden hat, anderen Menschen Wahlmöglichkeiten zu geben, anstelle von Instruktion mitzuteilen, ist er schon mitten im Training.

Denn was passiert dann? Die Entscheidung führt dazu, dass ich erst einmal zuhöre und erkunde. Erkunde, wo mein Mitarbeiter steht. Mich in seine Perspektive hineinversetze. Fragen stelle, damit ich ihn verstehe. Bei neuen Aufgaben, gebe ich automatisch Wahlmöglichkeiten. Ich kommuniziere mehr und ich lerne den Menschen besser kennen. Zugegeben, es braucht zu Beginn mehr Zeit, aber auf lange Sicht ist die Investition ins Zuhören ein Energiesparmodell.

2 Kommentare
  1. Alexandra Bechtle
    Alexandra Bechtle sagte:

    Wenn ich als Vorgesetzte mehr Whlmöglichkeiten gebe, zeige ich meinen Mitarbeitern Vertrauen. Ich lasse ihnen Freiheiten und zeige Ihnen, dass ich ihnen etwas zutraue. Sie merken dabei, dass ich ihnen Wertschätzung entgegen bringe. Die Wertschätzung festigt unsere Beziehung zueinander und gibt ihnen Mut, Wege zu gehen, die sie vielleicht nicht gegenagen wären, wenn ich ihnen haarklein alles vorgegeben hätte.

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