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Umgang mit schwierigen Zeitgenossen: Der Besserwisser

Ein Ausflug in die Welt der Besserwisser: Würden auch Sie auf seine Masche reinfallen?

Trainer treffen sich selten. Sitzen Sie dennoch einmal zusammen, dreht sich das Gespräch meistens um die Frage, wie hoch Ihr Tageshonorar ist. Die zweite Frage, die sich dann automatisch anschließt, ist, ob man die Entlohnung denn überhaupt mit dem traditionellen Begriff des Honorars abdecken könne, denn es handle sich in vielen Fällen doch eher um Schmerzensgeld. Schmerzensgeld deshalb, weil man fast täglich in einem fremden Hotelbett aufwache, ferner, weil sich die Anspannung, vor fremden Menschen sprechen zu müssen, schon einen Tag vorher – meist kurz vor dem Einschlafen- auf-, aber nicht abbaut.

Lauschen wir einmal in ein solches Gespräch hinein. Ein hoch geschätzter Kollege von mir beendet die Schmerzensgelddiskussion mit dem Statement: „Immer, wenn ich nachts vor einem Seminartag im Bett liege, befallen mich hypnopompische Visionen.“ Zack! Da haben Sie Ihr Fett. Sie wissen natürlich nicht, was hypnopompische Visionen sind. Und schon sind Sie in der typischen Falle eines Besserwissers gefangen. Denn Sie haben traditionell nur zwei Möglichkeiten zu reagieren. Die erste besteht darin, sich „normal“ und selbstbewusst zu verhalten. Sofort fragen Sie, was denn „hypno-dingsda Visionen“ seien! Und schon klappt der Besserwisser sein Messer auf. Verbal: „Was, Sie wollen ein hoch dotierter Management-Trainer sein und kennen noch nicht einmal die Grundbegriffe der pädagogischen Psychologie, die jeder Student im zweiten Semester beherrscht? „Sie scherzen, Herr Kollege!“ Nonverbal: Dabei blickt er grinsend in die Runde. Die anderen grinsen zurück. Und so reagieren Sie möglicherweise: hochroter Kopf; Ärger stellt sich ein; Sie beschließen, Ihr Honorar demnächst niedriger anzusetzen.

Die zweite Möglichkeit zu reagieren: Sie wissen zwar immer noch nicht, was „hypno-dingsda“ sind, tun aber so, als würden Sie es wüssten, und reden fleißig mit.

Peinlich! Denn nach wenigen Minuten wissen alle, dass Sie von etwas völlig anderem als dem Gemeinten reden. Spätestens jetzt beschließen Sie, bei der erstbesten Gelegenheit einmal nachzulesen, was hinter dem Begriff steckt, der zur Waffe in der Hand eines Konkurrenten wurde. Und siehe da: Hinter dem Ungetüm der „hypnopompischen Visionen“ steckt nichts anderes als das bekannte „Schlummerbild“. Das sind die Gedanken, die einen kurz vor dem Einschlafen noch einmal durch den Kopf schießen. Sie wollen zwar noch das Licht ausschalten, die Heizung herunterregeln, schlafen aber über diesen Vorsätzen ein.

Zu Ihrer Freude entdecken Sie im Lexikon einen weiteren wuchtigen Begriff: „Hypnagogische Halluzinationen“ steht dort, wie mit einem Extra-Ausrufezeichen für Sie versehen. Und von diesem Moment an träumen Sie davon, die Begegnung würde noch einmal stattfinden, mit denselben provokanten Tricks Ihres Kollegen, nur, dass Sie diesmal „Waffengleichheit“ herstellen könnten. Wäre das nicht schön? Ihr Kollege hätte kaum von „hypnopompischen Visionen“ gesprochen, und Sie würden fachmännisch nicken, ihm dabei tief in die Augen blicken und zur Runde gewandt sagen: „Schön und gut, mit ihren „hypnopompischen Visionen“… Die sind aber nichts gegen meine „hypnagogischen Halluzinationen“, die mich immer morgens befallen.“ Zack! Die Situation es gerettet. Einziger Wermutstropfen: Der Sieg findet leider nur in Ihrer Vorstellung statt. Übrigens: „Hypnagogische Halluzinationen“ meint das Gefühl, wenn morgens der Wecker klingelt!