TIT for TAT: Wie Du mir – so ich Dir! Also sei besser nett! (Buchrezension Adam Grant)

Egoismus versus Altruismus. Welches Prinzip gewinnt?

  • Altruismus: Wer sich um andere kümmern muss, ist unreif! (Adam Grant, siehe auch unsere Buchbesprechung)
  • Kratz einen Altruisten und du siehst einen Heuchler bluten. (Michael Ghiselinum/Eigennutztheorie)
  • Egoismus: Aufmerksamkeit, die man für sich selbst beansprucht, aber mit keinem teilen will.
  • Egoismus und Altruismus sind beide Teile eines kranken Systems (Nardone)

Ist die Welt da draußen gut oder schlecht?

Einfach gesagt: Sie ist nicht böse oder schlecht. Sie ist wie sie ist. Böse oder gut ist eine Wertung des Betrachters. Seit Menschen Gedenken kämpft unsere Spezies um die Frage, ob sie die Wirklichkeit, die uns unabhängig von uns umgibt, entschlüsseln kann. Vor allem sind wir schon sehr lange einzigartig in der Fähigkeit, Wirklichkeiten zu konstruieren. Wir sind also in der Lage beides zu tun. Zu erkennen und zu konstruieren. Und wir arbeiten hart daran, jeder in seiner und aus seiner Wirklichkeit heraus, den jeweils anderen auf unserer Seite der Wirklichkeitsbetrachtung zu ziehen.

Fast nirgendwo sonst gehen die Spekulationen und Statements bis hin zur einschlägigen „Management- Literatur“ so weit auseinander, wie bei der Frage, wer denn nun gewinnt, die Netten, Helfenden oder die Egoisten, die Harten, die Nehmer.

Gerade als Führungskräftetrainer und Coaches habe wir uns diese Frage immer wieder gestellt:

  • Wer gewinnt, die Guten oder die Bösen? Der Nette oder die Drecksau? Wir lesen zu dieser Frage sehr viel und denken über die Forschungsergebnisse nach. Wir diskutieren hart zu diesem Thema. Und wir müssen gestehen, wir haben mehr als einmal geschwankt. Je nach Lebensumstand und aktueller Tagesbilanz.

Zeit mit diesen Alltagsmythen und oft irrationalen Glaubenssystemen aufzuräumen.

Hier für Sie ein Auszug aus dem aktuellen Stand unserer Erkenntnisse.

Viele von uns sind groß geworden mit dem Gedanken, dass Egoismus schlecht und Helfen (Altruismus) gut sei. Denn der Begriff „Egoismus“ ist, weit weg von seiner ehemaligen Bedeutung, dermaßen alltagssprachlich missbraucht und verbogen worden, dass man ihn kaum auszusprechen wagt. Geschweige denn, sich dazu bekennen möchte. Egoismus im landläufigen Sinne wird als „auf Kosten von anderen“, „mit Einsatz der Ellbogen“ gleichgesetzt. Egoismus ist demnach auf unlautere Mittel und negative Manipulationen angewiesen. Der Egoist kommt in Film, Funk und Fernsehen nur noch als „Hütchen-Spieler“ vor, dessen Stern, der kurzfristig hoch am Himmel kometengleich strahlt, spätestens beim Eintauchen in die Erdatmosphäre am Schutzwall der Redlichen verglüht.

Altruismus wird als „gut“ dargestellt, verlangt und gepredigt. Denken sie nur an den Satz: „Wenn dir einer auf die linke Wange schlägt, dann halte die rechte hin.“ Dabei wissen wir doch, dass Dominanz und Kampf siegt. Löwe frisst Zebra, Spinne frisst Mücke, Mücke sticht Zebra. Jede Gattung strebt nach Sieg. Und die Techniken des Siegens gehen ins Millionenfache.

Privat und heimlich dämmert uns, dass die knallharte Besinnung auf das eigene ICH, das EGO den selben Regeln ausgesetzt ist, wie es uns unzählige Tierdokus mit ihren brutalen Jagd- und Fressbildern im Hirn verankert haben. Privat und heimlich. Da die Gattung Mensch, wie wir mit vielen anderen glauben möchten, sich vom Tier unterscheidet, scheint es uns opportun, das Bekenntnis zum eigenen  Egoismus in der Öffentlichkeit weder auszusprechen noch zu leben.

Egoismus wird aktuell geradezu tabuisiert. Und wenn die „Gut-Menschen“ und „Watte-Bäuschlis“ weiterhin ihr unüberhörbares Lobbying betreiben, wird „Egoismus“ noch zum Unwort des Jahres gekürt.

  • Ich ein Egoist? Nein, um Gotteswillen!

So weit so gut. Wir werden alles daran setzen, den Begriff Egoismus im positiven Sinne zurückzuerobern. Zur Zeit müssen wir noch tautologisch vom „positiven Egoismus“ oder vom „strategischen Egoismus“ sprechen. Später dann nicht mehr. Dann heben wir die Tarnung auf und lassen die Katze aus dem Sack.

Den Netten wird die Welt gehören

Verhaltensforscher, die Bienen beim Bau ihrer Bienenstöcke und anderes Getier bei der Selbstorganisation beobachten,  kommen genauso wie wir ins Grübeln.  Ihre Lösung für das Durcheinander, in dem dennoch Ordnung zu herrschen scheint: Nicht das oben geschilderte Prinzip vom „Überleben des Stärkeren“ gilt. Es steht die Behauptung im Raum, dass seit Urzeiten alle Lebewesen von einer weitaus effizienteren Verhaltensregel gesteuert werden: Wie du mir, so ich dir – also sei besser nett.

„TIT-FOR-TAT“

Robert Axelrod, Politologie-Professor an der University of Michigan, hat eine ungewöhnliche Computersimulation entwickelt. 14 Psychologen, Politologen, Mathematiker, Ökonomen und Soziologen (Experten des „Gefangenen-Dilemmas“) ließ er in seinem „Computer-Duell“ mit jeweils einem Programm antreten. Der absolute Gewinner war sein Programm, das auf eine der simpelsten Strategien zurückgriff.

Das Programm „TIT FOR TAT“ („Wie Du mir, so ich dir“) folgt einer einfachen Logik. Beim ersten Spielzug ist es auf Zusammenarbeit mit dem Spielegegner aus. Es kooperiert. Bei allen folgenden Spielzügen handelt es genauso, wie sein Mitspieler es vorher gemacht hat. Überrascht von diesem Erfolg dieser simplen Spiellogik wiederholte er sein Experiment mit 62 Kandidaten aus sechs Ländern. Und wieder ging „TIT FOR TAT“ vor allen anderen Programmen als Sieger hervor.

„Ein Grund für den Erfolg von „TIT FOR TAT“ besteht darin, dass dieses Programm weder zu täuschen noch zu betrügen versucht. Seine Strategie ist völlig offenkundig. Den meisten Mitspielern wird rasch klar, welche Antwort eine bestimmte Aktion hervorruft. Wesentlich kompliziertere Programme, die beispielsweise versuchen, auf unterschiedliche Weise die Reaktionen ihrer Mitspieler herauszubekommen oder den geeigneten Zeitpunkt zum „Mogeln“ zu erraten, ohne bestraft zu werden, bewährten sich dagegen nicht. Wie im richtigen Leben erwies sich eine klare, durchgängige Strategie als überlegen.“

(Quelle: GEO Magazin Nr.12, Dezember 1999 und Kevin Dutton, Psychopathen, Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann. Deutscher Taschenbuch Verlag, Erstausgabe 2013, siehe auch unsere Buchbesprechung)

Hier verlassen wir vorerst die einschlägige Forschung. Und kommen zurück zu der Frage, wer gewinnt: Der Altruist oder der Egoist.

  • Weder noch. Dass steht für uns fest.

Es gewinnt ein neuer Typus. Und wir geben ihm auch einen Namen: Mr. /Mrs. „Assertivness“.

Ins Deutsche übersetzt, würde er Herr/Frau „Assertorik“ heißen. Das klingt noch etwas rumplig. Doch wenn wir es schaffen,  dieses von uns seit Jahren erforschte und in Trainingseinheiten gegossene Prinzip der „Assertorik“ mit ihrer Hilfe in ihrem näheren Umfeld zu verankern, vielleicht sogar die Entscheider in den Unternehmen für dieses neue und effektive Verhaltensmuster zu begeistern, dann wird Herr/Frau „Assertorik“ einem Adelstitel gleichen, den jeder gerne an seiner Bürotür oder auf seiner Visitenkarte stehen hätte.

Neugierig und Interessiert: Gehe zu: „Was ist Assertorik“, Prezi: „Ihr Teamevent“:

http://www.imagefaktur.de/teamtraining/assertorik-das-teamevent/

Copyright Stefan Czypionka und Julia Hanke – Imagefaktur

 

 

 

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