4. Die Konsequenzen von rationalem und irrationalem Denken aus der Nähe

Die Konsequenzen von rationalem und irrationalem Denken aus der Nähe

„Egal, ob Sie denken, Sie schaffen es oder ob Sie denken, Sie schaffen es nicht: Sie werden auf jeden Fall Recht behalten!“

Dieses Zitat nutzen wir in unseren Trainings, wenn wir möchten, dass ein Teilnehmer seine Einstellung überdenken soll. Und wir können es sehr gut auf das ABC-Modell von Albert Ellis übertragen:

Wenn Sie irrational mit sich sprechen, dann zieht dies irrationale Konsequenzen nach sich. Und wenn Sie rational mit sich selbst reden, dann zieht dies rationale Konsequenzen nach sich.

Hört sich einfach an. Müssen wir jedoch unsere eigenen Reaktionen beschreiben und überdenken, ist dies nicht ganz so einfach wie in der Theorie. Es ist nicht gerade ein Thema, mit dem wir uns von klein auf beschäftigen oder Gegenstand von Gesprächen am verdienten Feierabend. Also lade ich Sie heute und hier ein, einen Blick darauf zu werfen.

Was sind eigentlich angemessene und was unagemessene Konsequenzen?

Das Hauptmotiv des ABC-Modells ist es, eine neue Lebensphilosophie einzunehmen und zu trainieren und zu verstehen, dass wir selbst entscheiden, ob unsere Konsequenzen angemessen und rational sind oder eben unangemessen, energieraubend und selbstschädigend.

Aber was ist eine angemessene Konsequenz? Wie kann ich entscheiden, ob ich angemessen reagiere? Ich habe darüber bereits im Teil 2 geschrieben. Es ist mir jedoch so wichtig, dass ich es an dieser Stelle wiederhole:

„Konsequenzen sind für mich wie ein Frühwarnsystem, dass mich selbst daran erinnert, was mir wichtig ist.“

Sind die Konsequenzen unangemessen und irrational, dann habe ich meist nicht mehr die Energie und die Klarheit, etwas zu verändern. Angemessene und rationale Konsequenzen sind für mich wie ein Frühwarnsystem, das mir ein Signal gibt, dass alles entweder im grünen Bereich ist oder eben Alarmstufe rot herrscht.

Im grünen Bereich sind das für mich positive Konsequenzen, die mit einem fühlbaren Wohlgefühl einhergehen, das Signal Entwarnung geben oder den Wunsch nach Wiederholung wecken.

Und dann gibt es da eben noch die Alarmstufe rot, die aus meiner Sicht, einem Aufpasser gleich, Basis für mein Wohlbefinden und der Findung meiner eigenen Identität ist. Alarmstufe rot gibt mir den Impuls, dass ich etwas an der Situation verändern soll.

Ganz so, als würde Jemand mit seinem ganzen Gewicht auf meinen Füßen stehen. Das erzeugt in mir den Impuls, ihm nachdrücklich mitzuteilen, runter zu gehen. Und zwar schleunigst.

Egal, ob wir rational oder irrational unterwegs sind, die Situation hat natürlich grundsätzlich immer Auswirkungen auf unsere Emotionen, unser Verhalten und unser Denken.

Also geht es darum, dass wir lernen zu erkennen, welche unserer Reaktionen auf bestimmte Situationen angemessen und welche unangemessen sind. Und das gestaltet sich nicht gerade einfach. Für mich zumindest. Wie erkennen Sie, ob etwas angemessen oder unangemessen ist?

In diesem Zusammenhang ist mir ein Erlebnis in Erinnerung geblieben. Und lade Sie nun ein, einmal darüber nachzudenken, was für Sie in dieser Situation eine angemessene Konsequenz wäre.

Ein junger Familienvater war mit seinem Sohn spazieren. Es ging einen schmalen Pfad an einer Steilküste entlang. Der Sohn zappelte rum, was in Anbetracht des Abgrundes eine gewisse Gefahr des Abstürzens mit sich bringt.

Was glauben Sie ist nun eine angemessene Reaktion? Ist es angemessen, so wie es der Vater tat, mit etwas schärferer und bestimmter Stimmlage aufzufordern, er solle endlich stillhalten, wenn er extrem zappelt und er ihn gerade auf den Schultern trägt, den Abgrund neben sich? Der Teilnehmer fand, seine Reaktion sei unangemessen aggressiv gewesen. Er mache sich seitdem ernsthaft Sorgen, dass sein Sohn dadurch emotional Schaden genommen hat. Eine seltsame Verquickung. Einerseits wollte er realen Schaden abwenden und gleichzeitig war er der Überzeugung, er hätte dadurch Schaden angerichtet.

Wären wir in dieser Situation gewesen und hätten wie der Familienvater reagiert, würden wir unsere Reaktion für angemessen oder unangemessen halten?

Es gibt keine eindeutige Antwort. Erforschen wir uns ein Stück selbst, bevor wir vorschnell ein Urteil fällen. Und das geht einfacher, wenn wir das Beispiel im ersten Schritt logisch runterbrechen und dann die Möglichkeit nutzen, die diversen Bereiche von Konsequenzen zu unterscheiden und genauer unter die Lupe nehmen.

Logik in einer emotional aufgeladenen Situation? Ja, denn manchmal verwechseln wir, gerade dann, wenn es eng wird, Rinks und Lechts. Der Codex sagt uns, sei ruhig und vernünftig. Das Denken sagt uns, sei nicht aggressiv, denn das verkraftet Dein Gegenüber nicht. Deine Emotion sagt aber, schrei, sonst passiert ein Drama. Sehr theoretisch. Nun ein wenig pragmatischer. Dein geliebtes Kind sitzt auf Deinen Schultern, rechts ein Abgrund, es zappelt und Du schreist es an. Gerettet. Aber Dein innerer Dialog lässt Dich nicht in Ruhe. Denn der beinhaltet ein weiteres Gebot. Man darf sein Kind nicht anschreien, denn das gefährdet seine psychische Gesundheit.

Vielleicht… aber was wenn du nicht schreist!

Wäre es angemessen, zu einem Vierjährigen zu sagen, „Bitte lieber Sohn, Du zappelst gerade und das bringt Dich in eine lebensbedrohliche Lage. Also würdest Du bitte einsehen….

Na ja, wäre schön, aber vielleicht hört er es nicht mehr…

Angemessen zu reagieren, ist etwas, was durchdacht werden muss. Es ist eine Preiskalkulation, die so extrem wichtig ist, denn ohne die ist alles nichts.

Wenn ein Mensch zu mir sagt, dass er seinen Sohn psychologisch kaputt macht, wenn er ihn in einer bedrohlichen Situation anschreit, dann weigere ich mich persönlich, dies als völlig unangemessen anzusehen. Dabei hilft es mir, die verschiedenen Bereiche von Konsequenzen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Mit hundert Prozent Sicherheit war der schreiende Vater emotional erleichtert, als er in der Situation schnell und impulsiv reagiert hat. Das hat womöglich beide vor dem Absturz gerettet.

Körperlich musste er sich von dem Schock erholen, war aber froh: sein Sohn lebte noch. Wäre da nicht sein manifester Glaubenssatz, der ihn anschließend zweifeln lässt, ob er richtig, das heißt angemessen reagiert hat: „Ich darf meinen Sohn nie anschreien, denn sonst hat er ein Makel fürs Leben.“

Ob wir nun dieses interne Gebot, „Du darfst Deinen Sohn nie anschreien“, für die aktuelle Gefahrensituation für wenig nützlich, also unangemessen erachten, mag einleuchten, aber dahinter versteckt sich einer der größten Motivations-Trigger, den ein liebender Vater, der sich um das Wohl seines Kindes sorgt, nicht so leicht verändern kann: Ich will das Beste für mein Kind.

Die Bewertung des Fallbeispiels fällt uns intuitiv und spontan leicht. Wir schlagen uns auf die Seite des Vaters oder wir halten ihn für leicht neurotisch und übervorsorglich. Doch solch rein intuitiven Entscheidungen führen allzu oft in die Irre. Wie würden Sie entscheiden, wenn wir das Fallbeispiel um den folgenden Kontext erweitern würden. Im ersten Fall würden wir den Vater als Kranführer schildern, der es gewohnt ist, in 30 Meter Höhe schwindelfrei seinen Job zu machen. Im zweiten Fall würden wir den Vater als einen Menschen schildern, der nicht schwindelfrei ist und schon bei leichten Bergtouren mit seiner Höhenangst zu kämpfen hat. Entscheiden Sie nun neu.

Bevor wir uns weiter verlaufen, an was sollen wir uns bei der Entscheidungsfindung orientieren? Klare Antwort: An uns selbst!

Zur besseren Orientierung, hier noch einmal das Hauptmotiv des ABC-Modells. Es steht das Angebot, eine neue Lebensphilosophie einzunehmen und zu trainieren. Es gilt zu verstehen, dass wir selbst entscheiden, ob unsere Konsequenzen angemessen und rational sind oder eben unangemessen, energieraubend und selbstschädigend.

Betrachten wir uns die Konsequenzen etwas näher!

Emotionale Konsequenzen
Tauchen wir kurz in ein Thema ein, das mit Sicherheit für die meisten Menschen das größte Mysterium schlechthin bereithält: Die Welt der Gefühle. Und kommen wir sofort zum Hauptproblem: „Die Welt der Gefühle? Klar weiß ich, wie ich mich fühle, nur benennen kann ich es kaum.“

Unsere Sprache transportiert, das ist Fakt, eine Menge Missverständnisse huckepack mit sich. Denn jeder benutzt die Wörter in seinem ureigenen Kontext. Wenn es dann um das Ausdrücken von Gefühlen geht, wird es noch ein wenig komplizierter und nebulöser.

Aus diesem Grund ist die Beschäftigung mit den eigenen Gefühlen mit dem Ziel, sie angemessen auszudrücken, aus meiner Sicht enorm wichtig.

Und zwar immer mit dem Fokus darauf, unterscheiden zu lernen, welche meiner Worte drücken angemessene und welche Worte drücken unangemessene Gefühle aus.

Zum Beispiel nutzen viele Menschen, die ich kenne, das Wort „Angst“, wenn sie damit einen Zustand beschreiben, in dem sie „besorgt“ sind, dass etwas passieren könnte. Wenn ein Mensch sagt, er habe Flugangst, kann aber ohne Panikattacken und Schweißausbrüche in einen Flieger steigen, dann handelt es sich in der Regel um die Sorge, es könnte was passieren.

Der Unterschied zu dieser alltäglichen Beschreibung von Gefühlen, die unscharf und irreführend ist, beschreibt das ABC-Modell als ein Gefühl, das unangemessen ist und blockiert. Habe ich in diesem Wortsinn „Angst“, dann steige ich nicht in den Flieger oder nur, wenn ich mir vorher eine sehr hohen Dosis von narkotisch wirkenden Mittelchen zugeführt habe, deren Nebenwirkung ich in Kauf nehme.

Ich bin aber noch lange kein Angsthase, wenn ich mir auf dem Berggipfel Sorgen mache, dass ich abstürzen könnte. Denn diese Sorge sorgt für Achtsamkeit und Sorgfältigkeit. Mein Alarmsystem sagt mir: Sei konzentriert und wachsam, sonst bringst Du Dich in Lebensgefahr.

Ein Alarmsystem, das angemessen ist, sagt mir: „Hier ist Vorsicht angebracht.“

Also legen wir los und sehen uns einmal an, welche Basisgefühle die Rational Emotive Verhaltenstherapie nutzt. Klar gibt es mehr Wörter und Abstufungen von Gefühlen, aber als Basisgerüst ist dies sehr hilfreich, denn dadurch kann ich die meisten anderen Begriffe, die ich noch kenne, in eine dieser Kategorien einsortieren. Ich habe die Begriffe mit möglichen Konsequenzen ergänzt, um ein besseres Verständnis zu erzeugen:

Unangemessene, ungesunde, blockierende, irrationale Gefühle

  • Angst, die lähmt und mich daran hindert, etwas zu tun.
  • Depression, bei der man einfach in ein tiefes Loch fällt und nicht mehr handlungsfähig ist. (Wobei
  • ich persönlich für Depression das ABC-Modell nicht als Therapieform wählen würde. Kann lediglich
  • eine Unterstützung von einem professionellen Therapeuten mit klinischem Background sein). Hier eher in der Form von Niedergeschlagenheit.
  • Ärger, Wut, Feindseligkeit, die blockiert und Diskussionen zum Drama werden lässt und eine riesige Herausforderung für den Umgang miteinander darstellt.
  • Schuldgefühle, Gewissensbisse, die lange endlose und unnütze Dialoge fördern.
  • Gekränkt, verletzt sein, die dazu verführen, dass wir andere Menschen Schuld zuweisen und damit
  • im Beziehungsdrama landen oder uns beleidigt zurückziehen.
  • Krankhafte Eifersucht, die dazu führt, dass wir sogar Anlässe suchen, die beweisen, dass die Eifersucht berechtigt ist.
  • Scham, Peinlichkeit, die verhindert, dass wir eine Situation aufsuchen und uns selbst nicht zeigen, wie wir sind.

Angemessene, gesunde, unterstützende, rationale Gefühle

  • Sorge, die mir hilft, dass ich aufmerksam bin, wenn ich in gefährliche Situationen komme.
  • Trauer, die hilft, negative und traurige Erlebnisse zu verarbeiten.
  • Unzufriedenheit, Verdruss, die motivieren, Grenzen zu setzten und bei der man in der Lage ist, in
  • ruhiger aber bestimmter Tonlage mitzuteilen, was einem nicht gefällt.
  • Reue, Bedauern, die mich nachdenken lassen, was ich anders machen möchte und mich motivieren nachzudenken, wie ich mit anderen und mit mir umgehen möchte.
  • Enttäuscht, betrübt sein, so dass wir erkennen, wie wir behandelt und gesehen werden möchten. In diesem Gemütszustand können wir uns selbst eine Stimme geben und mitteilen, wie wir behandelt werden möchten.
  • Nichtkranke Eifersucht, die uns daran erinnert, wie sehr wir einen Menschen mögen und ihn nicht verlieren möchten.
  • Bedauern, dass eine Person uns nicht so mag, wie wir sind.
  • Erst, wenn Sie diese Begriffe für sich selbst definieren und mit Leben füllen, erhalten Sie ein Gefühl für Ihre Gefühle!

Die Begrifflichkeiten alleine führen leider noch lange nicht dazu, dass wir die dahinter verborgenen Zustandsbeschreibungen besser verstehen lernen. Erst als ich begonnen habe, diese mit lebendigen Beispielen und Erlebnissen zu hinterlegen, habe ich ein Verständnis dafür entwickelt, was diese für mich bedeuten. Das hat es mir möglich gemacht, in einem zweiten Schritt ein eigenes Wording zu entwickeln, das die Fähigkeit erhöht, meine Gefühle angemessene, d.h. weniger selbstschädigend und blockierend zu beschreiben und zu kommunizieren.

Ich hoffe Sie teilen mit mir die Meinung, dass das wohl nicht nur für mich ein wichtiger Schlüssel ist, um für sich selbst besser einstehen zu können.

Ich beobachte gerne Menschen. Besonders faszinierend finde ich Menschen, die über eine souveräne Ausstrahlung verfügen. Mit meiner neuen Landkarte für Gefühle kann ich verstehen, warum diese Menschen so souverän auf mich wirken.

Sie nutzen meist angemessene Gefühle, um negative Situationen zu beschreiben. Sie wirken erwachsen auf mich, wenn sie über Gefühle sprechen und unterscheiden sich angenehm von dem kindischen Verhalten, das wir oft noch in uns tragen und das, Dreijährigen gleich, mit den Füßen auf den Boden stampft, wenn etwas nicht so läuft, wie gewünscht. Sie reden in einer Sprache, die synchron ist mit dem, was sie fühlen und erleben. Sie tabuisieren Gefühle nicht. Wenn diese Menschen über Gefühle sprechen, kann ich sie weder denunzieren noch angreifen.

Bei Menschen mit unangemessenen Gefühlen sieht das schon ein wenig anders aus. Selbst wenn sie es anders meinen. Ihre Wortwahl ist unangemessen und damit wirken sie auf andere auch oft unangemessen in ihren Reaktionen und asynchron.

Zur Verdeutlichung habe ich nachfolgend ein paar Beispiele gegenübergestellt für angemessenes und unangemessenes Wording. Lesen Sie diese Texte sich laut vor und lassen Sie sie wirken. Fällt Ihnen der Unterschied auf?

Also definieren Sie sich Ihre Gefühls-Begriffe selbst. Suchen Sie sich Beispiele aus dem Leben und überlegen Sie sich, wie Sie in diesen Situationen zwischen unangemessen und angemessenen Reaktionen unterscheiden können.

Welche Beispiele für „angemessen“ und „unangemessen“ fallen Ihnen ein? Schreiben Sie diese auf. Wie müssen Sie mit sich reden, um blockierende Angst zu erzeugen und wie, um sich selbst einfach nur besorgt zu fühlen, aber noch handlungsfähig zu sein:

Unangemessene Selbstgespräche

Angst: Ich habe schreckliche Angst, dass das Flugzeug abstürzt. Also werde ich unter keinen Umständen in einen Flieger steigen. Oder wie es Monk in einer seiner Serien gemacht hat: Er hat eine Bombe mitgenommen, da es dann sehr unwahrscheinlich ist, dass ein zweiter eine Bombe dabei hat.

Angemessene Selbstgespräche

Sorge: Ich habe Sorge, der Flieger könnte abstürzen. Dann bin ich noch in der Lage, einen Flieger zu betreten.

Es geht darum, den Unterschied zwischen angemessen und unangemessen besser zu erkennen. Dann können wir auch neue, angemessenere Reaktionen auf (für uns) schwierige Situation entwickeln und trainieren. Das letztendliche Wording hängt dabei von unserer Persönlichkeit und Typologie ab.

Denken
Eine beeindruckende Zahl geistert seit langem durch die psychologische Literatur. Bis zu 20 000 Zwiegespräche sollen wir pro Tag, oft unterbewusst und unbemerkt, mit uns selbst führen.

Nun, Menschen mit Intellekt, für die Denken Sport ist, haben wahrscheinlich schon 40 000 innere Dialoge, bevor sie ihr Frühstücksei köpfen. Andere können wir fragen, was denkst Du gerade? Und wir erhalten die Antwort: Nichts!

Wie auch immer. Das berühmte Axiom von Watzlawick lautet: Man kann nicht nicht kommunizieren. Abgewandelt würde dann gelten, egal in welcher Situation wir sind, man kann nicht nicht denken.

Noch entscheidender ist, dass wir mit uns dabei in einer bestimmten Art und Weise reden. Und die Art und Weise, wie wir selbst mit uns reden, ist maßgeblich ausschlaggebend dafür, wie wir uns anschließend fühlen. Wenn das stimmt, dann hätten wir einen mächtigen Hebel gefunden, um wieder mehr Macht über unsere eigenen Gefühle zu gewinnen. Vorausgesetzt, wir könnten unsere Aufmerksamkeit in diesem Denkprozess in eine bestimmte Richtung lenken.

Als ich mich das erste Mal gefragt habe, „was“ denkst du gerade in der Situation, hatte ich wenig Erinnerung an meine Gedanken. Auch die Frage „warum“ denkst du in dieser Situation so und nicht anders, brachte mich, sediert von der mangelnden Erinnerung, auch nicht weiter.

Klar wurde mir jedoch, dass mein Denken mir Hinweise gibt, wie ich mich dazu bringe, in einer bestimmten Art zu fühlen und mich zu verhalten. Mir dämmerte, dass ich in ähnlichen und/oder gleichen Situationen fast immer mit dem selben emotionalen Muster reagierte.

Muster sind hartnäckig. Selbst die Erkenntnis, dass wir musterhaft auf bestimmte Situationen reagieren, verhindert nicht, dass uns das beim nächsten Mal nicht wieder passiert.

Also, bitte kein Stress. Denn wenn die Situation wieder kommt, dann kann ich mich mit meiner neuen Einstellung bewusster beobachten.

Da dieser Weg, hin zu einer neuen Einstellung, die einen wesentlichen Bestandteil des ABC-Modells ausmacht, in den ersten Blogs zum Thema bereits ausführlich beschrieben wurde, möchte ich hier einfach nur appellieren: „Beobachten Sie öfter einmal, wie Sie mit sich selbst sprechen. Denn dann wüssten Sie, dass Sie gar keine Feinde mehr brauchen.“

Denn eines steht für mich fest,Showbox App wenn ich nur lange und negativ über eine Situation grüble, ohne dabei Lösungen zu erarbeiten oder um aus der Situation etwas zu lernen, dann denke ich mit aller Wahrscheinlichkeit irrational und damit selbstschädigend.

Unser Denken kann stark durch die Umwelt beeinflusst werden. Und zwar sowohl positiv als auch negativ. Die gute Nachricht: Unser Denken ist veränderbar. Die meisten Menschen glauben nur leider nicht daran, da sie ja seit vielen Jahren ihre alten, oft selbstschädigenden Denkmuster trainiert haben und der Überzeugung sind, dass „man sich ab einem gewissen Alter“ nicht mehr verändern kann. Das kann ich so nicht unterschreiben. Ob Sie Ihr Denken verändern können, hängt maßgeblich davon ab, ob Sie bereit sind, das neue Denken zu trainieren. Denn eines ist definitiv: Die neuen Denkmuster brauchen Training.

Stellen Sie sich vor, Sie waren mit 19 Jahren ein passabler Fußballer auf dem Weg zum Profi und haben kurze Zeit später, warum auch immer, den Fußball komplett an den Nagel gehängt. Seitdem sind 21 Jahre vergangen. Kämen Sie auf die Idee, dass Sie Morgen ohne intensives Training und mit genügend Vorbereitungszeit in der Profiliga mitmischen könnten? Bei der Verabschiedung von alten und dem Aufbau von neuen Denkmustern verhält es sich genauso.

Aber es führt kein Weg daran vorbei, sich auf den Weg zu machen. Ein angemessen emotionales und damit „gesundes“ Grundmuster hilft uns auch dabei, den tagtäglichen Zumutungen, die unser Umfeld für uns bereithält, stabiler zu begegnen. Denn wo Licht ist, fällt auch Schatten. Unser Denken ist auch für von außen kommende Botschaften negativer Art durchaus offen und anfällig. Nörgler und Negativdenker sind hoch infektiös. Denken Sie nur daran, wie es Ihnen ergeht, wenn Sie diesen „schwarzen Löchern“ zu lange zuhören und zu viel Raum geben. Schneller können Sie Ihren Akku nicht tiefenentladen.

Nicht wenige von uns tragen zusätzlich eine schwere Last an Glaubenssätzen, Verboten und Gesetzen mit sich herum, die rationalen Überprüfungen nicht standhalten. Hinzu kommt noch, dass die Gesellschaft aus welchen Gründen auch immer, uns sagt, wer in und wer out ist. Was gerade gut und was böse ist. Was man tun darf und was nicht.

Und infiltriert so unser Gehirn mit in Stein gemeißelten Geboten, die weit über die zehn bekannten hinausgehen. Also einen Appell an Sie: Denken Sie öfter mal darüber nach, welche dieser Botschaften Ihnen wirklich gefallen und welche nicht. Denn selbst das können Sie entscheiden.

Ihre Julia Hanke

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