Er lebte still und unscheinbar und starb, weil das so üblich war.

Von uns gelesen. Neuerscheinung: Adam Grant: „Geben und Nehmen: Erfolgreich sein zum Vorteil aller“. Unsere Vorhersage: Potential zum Bestseller 2014 – 5 Daumen.

 

Adam Grant, geboren 1982, ist Professor für Organisationspsychologie an der berühmten Wharton Business School. Als Berater war er unter anderem für die Vereinten Nationen, das Weltwirtschaftsforum, Google und IBM tätig.

Adam Grant schlägt eine wissenschaftlich fundierte und gut belegte Schneise ins Dickicht der ewigen Debatte, wer denn nun erfolgreicher sei: Der Egoist, der nur nimmt und die Netten ausnutzt oder der, der gerne gibt, hilfsbereit ist und faire Tauschverhältnisse anstrebt,  in denen jeder zum Gewinner werden kann.

Seine Antwort ist klar: Die „Geber“, wie er sie nennt,  sind langfristig im Vorteil. Allerdings und das führt er an vielen Beispielen aus, müssen Geber auf der Hut sein, nicht zum Opfer zu werden.

Die Statistiken und Forschungsergebnisse, die er anführt, zeigen anfangs ein verwirrendes Bild. Ja, einige Statistiken zeigen, Geber sind oft ganz unten in der Lohnskala. Ja, sie können selten eine klassische Karriere vorweisen. So scheint der Alltagsmythos von den Netten, die auch schnell die Dummen sind, erst einmal Nahrung zu bekommen.

Ja, die Nehmer, die auf Kosten anderer ihren Weg gehen, scheinen überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Von den Büchern mit Titeln, „So werden Sie zum Sieger“, „Kommunikations-Karate für Jedermann“, „Wecke den Sieger in Dir“, „Wie wird man ein Mini-Machiavellist“ oder die „Kunst des Siegens“ haben wir übrigens definitiv die Nase voll. Von dem Palaver da draußen, den journalistischen und populärwissenschaftlichen Ergüssen über die Netten und die Dummen und wie man in sieben Sekunden ein Haus, ein Boot, Pferde und Pferde-Pflegerinnen bekommt, übrigens auch. Definitiv.

Doch Grant schaut genau hin.

Und siehe da, wenn man seinen Belegen folgt, wird das gängige Bild, der Alltags-Mythos, der in TV-Zeitschriften und von selbsternannten „Bestseller-Autoren“, die am nächsten Tag auch ein Buch über „Rückenprobleme-endlich gelöst“ auf den Markt schmeißen und uns das Denken erschweren,  entzaubert und auf den Kopf gestellt. Und, das ist beruhigend, er ist damit nicht alleine. Wie ein Staubsauger fährt er über den Fleckenteppich endloser Studien, Statistiken und Annahmen. Heraus kommen Erkenntnisse, die von anderen exzellenten Geistern gestützt und bewiesen werden.

Sein Buch ist ein Lesegenuss. Diesen Genuss haben wir nicht immer, wenn wir angloamerikanischen Erkenntnissen nachstöbern.

Er beherrscht den Mix aus eigener privater Reflexion und lässt uns daran teilhaben. Das macht ihn in unseren Augen glaubwürdig. Die zweite Bedingung, die er erfüllt, er kann ein langes Forscherleben zu diesen Fragen dokumentieren. Diesen Luxus können nur wenige Menschen, die auch noch nebenher ihre Brötchen verdienen müssen, mit ihm teilen. Aber wir sind nicht neidisch auf ihn. Sein Fokus hat sicherlich auch einen Preis. Angenehm für uns Leser, dass er dazu nichts sagt.

Im Gegenteil: Er lässt uns auf jeder Seite seines Buches teilhaben an einem Denksystem, das gegen alle anderslautender Befunde und Unkenrufe eines aufzeigt:

Wie die Zukunft sein kann, wenn wir uns wieder auf das besinnen, was uns als Spezies auch ausmacht und was viele gerne tun möchten. Geben.

Die überdurchschnittlichsten Gehälter, vor allem die größte Anerkennung, Reputation und beruflichen Erfolg, bis hin ins Top-Management, kassieren die Geber ein. Verkehrte Welt. Schon wieder lesen wir ein Buch und überprüfen unsere Alltags-Mythen und Glaubenssätze darüber, wie die Welt ist und vor allem, wie sie zu sein hat.

Nehmer bleiben da eher im Mittelmaß stecken.

Gibt es zwei Gruppen von Gebern? Und was unterscheidet sie?

Grant ist davon überzeugt, dass hilfsbereite Menschen  im Leben Erfolg haben, eben weil sie sich um andere kümmern, nicht trotzdem. Warum das so ist, untersuchen auch andere Forscher seit Jahren. Grant demonstriert und begründet die Effekt auch an eigenen Beispielen. Ein Jahr lang untersuchte er das Verkaufspersonal einer Kette von Optikerläden. Fazit: Die beste Leistung schaffen die Geber. Sie machten im Durchschnitt 50% mehr Umsatz als ihre Kollegen.

Bei einer ähnlichen Untersuchung von Ingenieuren einer großen Telekommunikationsfirma stießen Kollegen von Grant auf dieselben Effekte. 

Was uns aber besonders an diesen Forschungsergebnissen begeistert hat, ist, dass die Gruppe der erfolgreichen Geber in der Rangordnung des Ansehens die obersten Plätze einnimmt. 

Begeistert sind wir deshalb, weil wir genau diese Philosophie der gerechten Tauschverhältnisse mit unseren Trainings und Coachings seit Jahren propagieren und unterstützen. 

Wir warnen aber auch davor, im nackten Altruismus zu verharren. Selbstbewusste Abgrenzung, rechtzeitig Reißleine ziehen, wenn man merkt, dass ein Nehmer seine Vampirzähne in unseren Hals hackt, deutlich machen, dass man nicht nur gibt, sondern nichts dagegen hat, dass man auch zurückbekommen will, wann auch immer, das ist ein wesentlicher Kern unseres „Assertorik-Trainings“.

Ein Muss, das Grant sehr differenziert erörtert und belegt. Der Unterschied von einem Geber zu einem Kümmerer, mit dem unser „Geber“ oberflächlich verwechselt werden kann, ist riesengroß. Die Geber der ersten Gruppe, die, wie eingangs geschildert, oft ganz unten in der Erfolgsskala zu finden sind, „sind völlig selbstlose, krankhafte Helfer, die nie Nein sagen können“, sagt Grant. „Sie enden in der Regel dann auch als Fußabstreifer.“

Die zweite Gruppe der Geber organisiert ihren Erfolg langfristig und vor allem nicht auf Kosten anderer. „Darum wird  ihnen ihr Erfolg auch gegönnt“, sagt Grant. Oder wie wir es sagen würden, sie sind weniger von Fallenstellern, Hinterhältigen, Verletzten,  Feinden, Missgünstigen und Neidern umgeben, die Sand ins Getriebe streuen. Genau mit diesen schwierigen Zeitgenossen müssen sich die Nehmer herumplagen. Nehmer reklamieren Erfolge von Teams für sich, reißen Aufgaben an sich, die Profilierung und Status versprechen. Buckeln nach oben und treten nach unten. Nehmer konkurrieren um den Kuchen, manchmal sogar um die Streusel. Geber finden Möglichkeiten, den Kuchen zu vergrößern.

Vielleicht sind sie weder ein Geber, noch ein Nehmer, sondern ein „Tauscher“?

Tauscher besiedeln und erobern still und heimlich den Planeten. Ein neue Spezies reift heran. Schon jetzt bilden sie, so unsere Wahrnehmung aus vielen Trainings, die Mehrheit.

Wir lieben die „Tauscher“. Gehören sie doch zu der Gattung, von denen wir glauben und hoffen, dass sie unseren Planeten bewohnbarer machen könnten. Das Potential und die Intelligenz haben sie dazu. Ihr Manko ist, sie wirken im Stillen. Sind für die breite Masse nicht wahrnehmbar. Sie leben unter dem Laub. Sie wollen um keinen Deut auffallen und weder mit den Trotteln da draußen verwechselt werden, noch mit den krankhaft Egomanen, den Narzissten, den Psychopathen.

Tauscher,  organisiert und zeigt euch endlich. Habt keine Angst davor, ein internes Kassenbuch zu führen.  Aber rechnet irgendwann auch ab. Lasst keinen „Nehmer“ ungestraft davon kommen.

Lest dieses Buch.

(Copyright) Julia Hanke und Stefan Czypionka

PS: Bei der automatischen Rechtschreibkorrektur „Word“ wird das Wort „Tauscher“ als Rechtschreibfehler angezeigt. Korrekturvorschlag: „Täuscher“!
Es gibt noch viel zu tun!

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