Beziehungspfeffer Zuhören

So wie es verschiedene Pfeffersorten gibt, um Speisen das gewisse Extra zu verleihen, so gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, Pfeffer in unsere Beziehungen zu bringen.

Eine der besten Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Gleichklang zu kommen, ist die Fähigkeit Zuzuhören.

Es geht das Hörensagen um, man solle „aktiver“ zuhören.  Alleine in der Aufforderung steckt eine Tautologie. So wie ein „weißer Schimmel“ auch seltsam klingt. Zuhören ist zuhören. Wenn man „aktives“ Zuhören als neue Tugend fordert, muss etwas mit dem alten Zuhören nicht in Ordnung sein.  Vielleicht hilft es Zuhören als das zu begreifen, was es ist. Und es vom Pseudo-Zuhören klarer zu unterscheiden.

Den einzigen „aktiven“ Modus, den ich beim Zuhören entdecken kann, ist zu entscheiden, wem man zuhören will und wem nicht.

Entscheiden Sie selbst, ob Sie ein guter oder eher ein schlechter Zuhörer sind.

Was hindert Menschen am Zuhören?

  1. Mangelndes Interesse
  2. Zerstreutheit
  3. Eigene Sorgen
  4. Ablenkung durch Äußerlichkeiten
  5. Wiederholungen
  6. Antipathie gegenüber dem Redner
  7. Inhalt der Aussage
  8. Zu viele Fakten
  9. Fehlinterpretation

Alleine diese Aufzählung erklärt, warum wir uns selbst eher selten im Modus des Zuhörens aufhalten.

Wir laufen Gefahr zu Pseudo-Zuhörern zu werden. Wir Nicken mit dem Kopf, stoßen ab und an Gutural-Laute aus, die ungeteilte Aufmerksamkeit signalisieren sollen, fahren aber geistig die Route 66 mit dem Motorrad, formulieren Einkaufslisten oder grübeln über das Zwicken im Brustbereich nach, das sicherlich nichts Gutes bedeutet.

Nicht, dass wir jetzt schon wieder ein schlechtes Gewissen bekommen. Das haben wir wegen vieler anderer Dinge schon im Übermaß cialis overnight delivery. Besser: In Zukunft wieder erinnern, wie wohl wir uns fühlen, wenn uns jemand ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt. Und dass andere dasselbe empfinden, wenn wir ihnen dies auch zukommen lassen. Motto: Währet den Anfängen. Deshalb zur Beruhigung und um uns Abgrenz- und Ortungshilfe zu verschaffen:

Was zeichnet den Pseudo-Zuhörer aus?

  • Sie bilden ihre Meinung schon vor dem Gespräch, ohne dem anderen eine Chance zu geben.
  • Ihre Aufmerksamkeit ist auf Äußerlichkeiten gerichtet. Sie kritisieren gedanklich Grammatik, Aussehen oder Sprachstil ihres Gesprächspartners.
  • Ihr Motto: Wer Luft holt hat verloren. Sie reden ohne Pause und merken nicht, wenn sich ihr Gesprächspartner langweilt oder unwohl fühlt. Ein Atemzug ihrerseits genügt. Und alle Anwesenden müssen Minuten, gefühlt stundenlang, ihnen beim Ausatmen zuschauen. Und denken, dieser Luftholer, bevor er ausbläst, könnte den Weltrekord im Apnoe-Tauchen aufstellen.
  • Sie sind penibel und klammern sich an Fehler oder Ungenauigkeiten in der Darstellung, die sie ihrem Gesprächspartner vorwerfen.
  • Sie teilen ihre Aufmerksamkeit mit jedem, mit sich und anderen Anwesenden und beschäftigen sich  gleichzeitig mit anderen Dingen.
  • Sie haben keine Geduld, beenden Sätze, die der andere angefangen hat.
  • Sie geben wenig Rückmeldung.
  • Sie verlieren das Interesse, wenn ihre Frage beantwortet ist.
  • Sie lassen sich schnell durch emotionale Äußerungen vom Thema abbringen und haben ihre Gefühle nicht unter Kontrolle.
  • Sie fragen nicht nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben oder Dinge im Unklaren sind.

Damit ergibt sich im Gegenentwurf auch schon die Hitliste, was Zuhören wirklich bedeutet.

Menschen die wir als „gute“ Zuhörer  bezeichnen, zeigen folgende Verhaltensmuster:

  • Sie urteilen nicht vorschnell und versuchen, die Gefühle des Gesprächspartners zu berücksichtigen.
  • Ihre Aufmerksamkeit ist auf den Inhalt gelenkt.
  • Zusätzlich versuchen sie, Nuancen und Stimmungen zu erkennen.
  • Sie klammern sich nicht an Einzelheiten und fassen Kernaussagen zusammen.
  • Sie konzentrieren sich auf ihre Gesprächspartner und schenken ihnen ungeteilte Aufmerksamkeit.
  • Sie lassen den anderen ausreden und fallen ihm nicht ins Wort.
  • Sie geben Rückmeldungen.
  • Durch Blickkontakt, Bestätigung oder Nachfragen demonstrieren sie Interesse.
  • Sie sind kontrolliert und lassen sich durch emotionale Äußerungen nicht aus der Fassung bringen.
  • Sie versuchen, Missverständnisse zu vermeiden, indem sie bei Unklarheiten nachfragen.

Conclusio:

Ein wesentlicher Bestandteil eines exzellenten Beziehungsmanagements ist das „Zuhören“. Ein exzellentes Beziehungsmanagement ist auch die unabdingbare Voraussetzung jeder Führung. Es ist der Schlüssel auf dem Weg zu mehr privatem und beruflichem Erfolg.

Du hörst nie zu!

Beziehungsmanagement ist nicht Alles. Doch ohne Beziehungsmanagement ist Alles Nichts.

Es gibt persönliche Einstellungen, ja ganze Berufsbilder die permanentes Zuhören als Kern ihrer Lebensaufgabe begreifen und leben.

Mag sein, dass meine Wahrnehmung in diesem Falle empirischen Belegen nicht standhält, aber ich beobachte im seelsorgenden, psychologischen auch pastoralen Bereich zunehmend Menschen, deren Körper und deren Lebenslust buchstäblich unter der Last des uneingeschränkten, zügel- und regellosen Zuhörens zusammenbricht.

Auf der anderen Seite der Medaille versammelt sich zunehmend eine Heerschar von Dauerquasslern, deren oraler Sadismus ein Publikum sucht.

Wer in diesem Spannungsfeld nicht sehr genau Spreu vom Weizen trennt, zahlt einen hohen Preis. Psychisch und physisch. Letztendlich droht der Hörsturz. Die Flucht ins Private, ins eigene ICH, das keinem mehr zuhören kann und will. Die Ignoranz gegenüber allen Informations-Inputs sind der Preis.

Copyright: ImageFaktur. Julia Hanke, Stefan Czypionka