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Beziehungspfeffer SmallTalk

Small-Talk „… ist die Kunst des Gesprächs: alles zu berühren und nichts zu vertiefen.“ Oskar Wilde

Es gibt ein Buch, das heißt, „Was sagen Sie, nachdem Sie Guten Tag gesagt haben“?

Und Dutzende namhafte Anbieter werben für Small-Talk-Seminare. Preise variieren zwischen einigen Hundert bis mehreren tausend Euro am Tag.

Die Fähigkeit, ein Gespräch im Fluss zu halten, scheint eine weitere Zutat für gelungene Beziehungen zu sein. Menschen, die sehr stark inhaltlich orientiert sind, setzen Small Talk mit Geschwätz gleich. Dieses oberflächliche „Blabla“ sei unnütz und koste nur Zeit.

Die Forschungslage belehrt diese „Kommunikationsmuffel“ eines Besseren.

Es sei eben kein Geschwafel, sondern stellt Sprachpsychologen zufolge eine wichtige kommunikative Fähigkeit dar. Es ist ein weiterer Beziehungspfeffer, der Nähe und Resonanz zwischen den Gesprächspartnern erzeugt. Diese Fähigkeit gilt somit als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den privaten und beruflichen Erfolg.

Doch aufgepasst, so wie es bei Franzosen verpönt ist, beim Essen über Geschäftliches zu reden, so sind auch für unseren Sprachraum generell Themen wie Krankheiten, Religion, Politik und Geld tabu. So zumindest der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Knigge Gesellschaft,  Michael Klein.

Small Talk ist ein weiterer Beziehungspfeffer. Er bringt stockende Gespräche in Gang und verhindert peinliches Schweigen. Auf die Dosis kommt es an. Deshalb bitte sorgsam würzen. Small Talk soll und darf ernsthafte Gespräche nicht ersetzen. Denn die machen uns letztendlich glücklich und zufrieden.

Psychologen von der Universität of Arizona untersuchten, ob sich glückliche und unglückliche Menschen darin unterscheiden, wie sie sich mit anderen unterhalten. Für die Untersuchung trugen Freiwillige vier Tage lang ein Gerät, das alle Gespräche aufzeichnete. Die Versuchspersonen füllten Fragebögen zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Wohlbefinden aus. Ergebnis: Die glücklichsten Teilnehmer führten doppelt so viel ernsthafte Gespräche und machten nur ein Drittel so viel Small Talk wie die unglücklichsten Teilnehmer.

Süddeutsche Zeitung, Nr. 288, Donnerstag, 13. Dezember 2012, Seite 9, Das große Blablabla, von Titus Arnu.