Beziehungspfeffer: Die hohe Kunst der Anerkennung

Wir alle wünschen uns nichts sehnlicher, als zu hören „Schön, dass es Dich gibt!“.  Wir sehnen uns nach dem Gefühl, dass unser Leben einen Sinn macht, dass wir existieren und nicht vegetieren. Wir möchten fühlen, dass wir wahrgenommen werden. Es ist schon viel über die sanfte Macht der Komplimente geschrieben worden. Und als Allgemeingut gilt, dass Lob motiviert.

„Warum, wurde Cindy Crawford gefragt, warum hat sie Richard Gere geheiratet? Weil er so schön ist? Nein, sagt sie, es habe weit schönere Männer unter ihren Bewunderern gegeben. Weil er so reich ist? Nein, antwortete sie, sie selbst habe Geld genug. Dann vielleicht, weil er so berühmt ist? Im Gegenteil, erklärte sie, das habe sie eher gestört. Nein, sie habe sich in ihn verliebt, weil er ihr wie kein anderer Mann Komplimente machen konnte. Und sie habe ihn geheiratet, weil er auch nach ein paar Monaten und sogar nach Jahren keineswegs damit aufhörte.“

(Quelle: Fokus 4/2000, Seite 13)

„Mit Komplimenten“, lautet eine chinesische Weisheit, „kannst du Liebe gewinnen“.

Und ein arabisches Sprichwort sagt: „Mit Komplimenten kannst du die Liebe erhalten.“

Aber viele nutzen diese sanfte Macht dieses Beziehungspfeffers nicht und wenn doch, dann falsch.

„Komplimente machen“ wird auf eine Stufe gestellt mit „Einschleimen“. Und wer lobt, der hat meistens die versteckte Absicht uns auszubeuten, zu manipulieren oder für irgendeinen Zweck zu missbrauchen. Lob stinkt! So lautet die Losung der Beziehungsarmen. Sie geizen mit der Anerkennung anderer und bunkern die Wertschätzung, die sie hier und da erhalten in ihrem Tresor, wie Dagobert Ducks Onkel seine Gold-Nuggets.

Dem kann abgeholfen werden.

Wir nehmen dem Kompliment den Einschleimfaktor und dem Lob das Manipulative.

Wie? Indem wir ein neues Wort einführen, das rein und ohne Beigeschmack den Kern der Wertschätzung transportiert. Ohne Hintergedanken, echt und authentisch.

Ab jetzt bezeichnen wir jede Art von Aufmerksamkeit, die Ihnen zuteil wird oder die Sie einem anderen Menschen widmen als „Beziehungspfeffer“.

Beziehungspfeffer?  Auch wenn es für Sie seltsam klingt. Gewöhnen Sie sich möglichst schnell an dieses Wort. Dieses Wort „Beziehungspfeffer“ ist der Sesam-öffne-Dich für gute, wachsende und gedeihende Beziehungen.

Lauschen Sie diesem Wort nach.

Wir übersetzen und benutzen das Wort „Beziehungspfeffer“ ab jetzt im Sinne von „Streicheleinheit“, „Aufmerksamkeit“, „Wahrnehmung“, kurz für jede Form der „Anerkennung“, die wir anderen zu Teil werden lassen und die wir von anderen bekommen.

Und damit versuchen wir ein großes Missverständnis aus der Welt zu räumen, das üblicherweise immer dann entsteht, wenn wir statt von „Beziehungspfeffers“ von „Lob“ oder „Komplimenten“ sprechen.

Wir alle sehnen uns nach Anerkennung. Das unterschreibt uns jeder. Wir könnten ins Füllhorn greifen, halten uns jedoch zurück, da wir „Anerkennung schenken“ mit manipulativem Loben verwechseln, wenn nicht sogar gleichsetzen.

Denn viele Menschen erfahren Anerkennung als nicht „echt“. Oft wird Anerkennung (meist im Beruf) genutzt, um Menschen dazu zu bringen, etwas zu tun. Die Anerkennung wird nicht losgelöst ausgesprochen, sondern mit einer anderen Sache in Verbindung gebracht. Der „Gelobte“ hat das Gefühl, dass dahinter ein verstecktes Motiv verborgen ist.

Es ist eine der höchsten Künste, Anerkennung glaubwürdig zu übermitteln. Wir können nur echt loben, wenn wir uns „authentisch“ dabei fühlen und uns sicher sind, dass unser Gegenüber unser Lob gerne annimmt und als glaubwürdig empfindet.

Deshalb sprechen wir ab jetzt nicht mehr von Lob oder Kompliment, sondern nur noch von „Beziehungspfeffer“. Beziehungspfeffer hat keinen negativen Beigeschmack, wie wir ihn oft hinter dem Wort Lob vermuten. Beziehungspfeffer ist frei von manipulativen Absichten.

Beziehungspfeffer ist immer wahrhaftig und authentisch. Also keine Ausreden mehr, ihn nicht einzusetzen.

Denn:

„Wir verbringen sehr viel Zeit damit, über uns selbst nachzudenken“, schrieb der amerikanische Psychologe Dale Carnegie. ,,Wenn wir nur etwas von dieser Zeit darauf verwenden würden, über die guten Seiten anderer nachzudenken, bräuchten wir unsere Zuflucht nie zu billigen Schmeicheleien zu nehmen. Jeder Mensch, den wir treffen, ist uns in irgendeiner Beziehung überlegen, so dass wir von ihm lernen können.“

Die sanfte Macht des Beziehungspfeffers

Beziehungspfeffer ist viel wichtiger, als wir glauben: Man muss nur wissen, wie man ihn richtig einsetzt und auch wie man ihn annimmt.

Beziehungspfeffer ist: Jede Art von Aufmerksamkeit, die Ihnen zuteil wird oder die Sie einem anderen Menschen widmen.

Positiver Beziehungspfeffer macht froh und gibt ein Gefühl von Bedeutung. Das gilt für jede Form von positiver Anerkennung: Aufmerksamkeit, Lob, Dankbarkeit, Freude, Stolz und Bewunderung.

Negativer Beziehungspfeffer stimmt traurig und macht uns zu Verlierern. Beispielsweise durch: Kritik, Verachtung, Lächerlich machen, Enttäuschung, Kummer, Misstrauen und Undankbarkeit.

Denken Sie an Ihren Arbeitsplatz. Und Sie wissen um die Wirkung von positivem und negativem Beziehungspfeffer.

Beziehungspfeffer-Bilanz
Das ganze Leben ist ein Kampf um Beziehungspfeffer. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Beziehungspfeffer, den wir bekommen und anderen geben, so wichtig ist wie das tägliche Brot und Inhalt und Sinn unseres Dasein ausmacht.

Forscher haben die Vorgänge in einem Menschen, wenn er Beziehungspfeffers bekommt, mit Soll und Haben eines Bankkontos verglichen.

Wenn Erwachsene zu wenig positiven – oder vielleicht gar keinen Beziehungspfeffer bekommen, benehmen sie sich in steigendem Maß ungeschickt. Ihr Lächeln verschwindet, sie fangen an, über die schlechten Zeiten zu sprechen, die kurzsichtige Regierung oder das schlechte Wetter und suchen überhaupt den Grund für den ausbleibenden Erfolg in ihrer Umwelt.

Viele versuchen, sich Beziehungspfeffer zu kaufen. Oder das positive Beziehungspfefferkonto von Mitmenschen zu zerstören. Denken Sie daran, wie Sie sich fühlen, nachdem Sie einem Nörgler begegnet sind!

Die neue Sehnsucht

Zu überraschenden Ergebnissen kommt eine Studie der Universität Leipzig und des Sigmund-Freud-Instituts der Mainmetropole Frankfurt.

„Die Deutschen suchen verstärkt menschliche Nähe, obwohl die ökonomischen Strukturen den gegenteiligen Trend fördern“, so Elmar Brähler, Professor für Med. Psychologie der Universität Leipzig.

Im Vergleich zu einer 1994 durchgeführten Untersuchung wünschen sich die Deutschen mehr Geselligkeit, machen sich häufiger Sorgen um andere und bemühen sich um mehr Toleranz. Auch Werte wie Ordnung und Wahrhaftigkeit stehen wieder hoch im Kurs. „Vermutlich hätten die Menschen noch vor kurzer Zeit längst nicht so empört wie heute auf politische Skandale reagiert“, glaubt Brähler.“

Quelle Fokus 4/2000 Seite 13

Unsere Kultur ist geprägt, Ziele zu erreichen und dabei verlieren wir unsere wichtigste Energiequelle aus den Augen: Für ein volles „Beziehungspfeffer-Konto“ zu sorgen. Das, was jeder von uns hören will, den „Ur-Beziehungspfeffer“, vergessen wir selbst auszusprechen: „Schön, dass es Dich gibt“. Oder wie heißt das Sprichwort: „Nicht geschimpft, ist gelobt genug!“

Wir lernen Fremdsprachen und sehen es als selbstverständlich an, dass wir sehr viel üben müssen, ehe wir sie beherrschen. Anerkennung glaubwürdig zu übermitteln, ist eine hohe Kunst und erfordert ebenfalls sehr viel Übung, denn derjenige der sie erhält, ist der, der entscheidet, ob er sich anerkannt fühlt.

Wir können diese höchste Kunst nur erlernen, wenn wir akzeptieren, dass wir zu Beginn dilettantisch sind in der Art und Weise, wie wir sie übermitteln.

Genauso, wie wir eine Fremdsprache erlernen und wissen, dass wir zu Beginn nicht perfekt sind, genauso müssen wir lernen, unseren Beziehungspfeffer optimal zu dosieren. Es geht kein Weg daran vorbei, es zu tun, wenn wir erfolgreiche Beziehungen führen wollen. Beziehungspfeffer übermittelt Respekt und zeigt unseren Mitmenschen, dass sie einen Wert haben.

Wenn wir akzeptieren, dass wir zu Beginn dilettantisch sind, verlieren wir die Scham und tun es einfach. Wir können dann auch ganz gut damit leben, wenn es mal daneben geht.

Die Akzeptanz, dass wir zu Beginn mit großer Sicherheit keine Meister sein können, hilft uns mental, es einfach zu üben. Mit diesem Bewusstsein schützen wir unser eigenes Ego vor Versagensängsten. Wir wissen ja, dass wir nicht perfekt sein können, ohne dass wir es üben. Gleichzeitig wissen wir, dass wir langfristig ein leichteres und unbeschwerlicheres Leben führen werden.

Beziehungspfeffer

  • darf nie inflationär gebraucht werden. Das entwertet ihn.
  • muss immer konkret sein.
  • kommt neutral daher und verzichtet auf Beurteilungen und Wertungen, die von Ihrem Geschmack und Ihren Vorlieben durchdrungen sind.
  • Statt: „Sie sind ja der Fachmann in Excel Anwendungen.“
  • Besser: „Sie haben mir gestern eine Excel-Datei gemailt. Besonders die Infos auf der Seite zwei haben mir eine Menge Arbeit gespart.

Warten Sie nicht, beginnen Sie gleich. Beobachten Sie genau, wie Ihr Beziehungspfeffer ankommt. Ist Ihr Beziehungspfeffer angekommen, werden Sie in ein strahlendes Gesicht sehen.